Wie du ganz einfach Pen and Paper ohne Spielleiter spielst

Es ist Freitag 17 Uhr. In einer Stunde beginnt die regelmäßige Pen and Paper Runde, die du und deine Freunde zusammen spielt. Doch dann kommt es dicke. Der Spielleiter meldet sich. Ein Notfall. Er muss leider absagen und kann nicht kommen.

“Na klar kein Thema, wir haben vollstes Verständnis” wird in der WhatsApp-Gruppe unisono verkündet. Trotzdem ist das Schade. Für einige Spieler ist es das Highlight der Woche.

Bei den einen ist die Arbeit stressig, bei anderen die Uni oder Schule. Einige haben Kinder und sowieso sehr wenig Zeit. Da kann so ein Ausfall der Spielrunde schon ein wenig die Stimmung drücken.

Doch plötzlich eine neue Nachricht in der WhatsApp-Gruppe: “Leute kommt bei mir vorbei, wir wuppen das auch ohne Spielleiter. Quetschen ein kleines Zwischenabenteuer rein”.

Du magst jetzt vielleicht denken, dass der Spieler verrückt geworden ist. Pen and Paper ohne Spielleiter. Das geht doch nicht.

Weit gefehlt.

Der Spieler ist wohl auf geheimes Wissen gestoßen, oder hält einen anderen Spielleiter als Back-Up in seinem Keller gefangen.

Oder er hat ganz einfach diesen Blogartikel hier gelesen.

Ich zeige dir heute, wie du Pen and Paper ohne Spielleiter spielst. Zuerst stelle ich einige Szenarios und Gründe vor, wieso du diese Form des Spielens überhaupt ausprobieren wollen würdest. Und in welcher Konstellation das möglich ist.

Danach zeige ich dir kurz auf, was einen Spielleiter denn wirklich ausmacht. Ich meine so heftig kann das nicht sein, wenn du auch ohne ihn spielen kannst.

Und zum Schluss zeige ich dir das beste Einstiegstool, dass dir hilft ohne Spielleiter Pen and Paper zu spielen.

Den Mythic Game Master Emulator.


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Pen and Paper ohne Spielleiter spielen? Geht das überhaupt? Wieso solltest du das ausprobieren?

Pen and Paper ohne Spielleiter? JA das geht! Wie das genau funktioniert erkläre ich dir gleich weiter unten. Vorher möchte ich dir erzählen WIESO du das überhaupt ausprobieren wollen würdest und welche Arten des spielleiterlosen Pen and Papers möglich sind.

Grund 1: Spielen ist immer besser als nicht spielen

Für viele eine simple Sache. Spontan einen Spielabend ausfallen lassen zu müssen ist echt doof. Das passiert manchmal aus wichtigen Gründen und ist natürlich vollkommen okay.

Du und die anderen Spieler habt euch aber für den Abend extra Zeit genommen. Eventuell könnt ihr anderweitig umplanen. Aber seien wir doch ehrlich. Du hast dich riesig auf die Spielrunde gefreut. Diese nun ausfallen zu lassen ist schon ziemlich deprimierend.

Keine Bange, soweit muss es nicht kommen, denn auch wenn ein Abenteuer ohne festen Spielleiter etwas anders abläuft, muss es nicht weniger spaßig sein.

Ja ich behaupte sogar ganz frech, dass es den eigenen Horizont erweitert und in seiner ganz besonderen Art sehr viel Spaß machen kann.

Und am Ende des Tages ist spielen immer noch besser als nicht spielen.

Grund 2: Der Spielleiter ist ausgebrannt und will auch mal Spieler sein. Doch niemand möchte seine Rolle übernehmen

Auch das kommt vor. Der Spielleiter braucht eine Pause. Aus der Gruppe möchte aber niemand die Lücke füllen. Das kann viele Gründe haben und auch wenn ich immer gerne dazu ermutige hinter den Spielleiterschirm zu steigen, zwingen sollte man niemanden.

Stehst du in dieser Ausgangslage, ist das Pen and Paper spielen ohne Spielleiter genau deine Lösung.

Wenn du dich nicht traust, weil du nicht weißt wie du als Spielleiter anfangen sollst, habe ich dir hier einen Einstiegsleitfaden zusammengetragen.

Grund 3: Es gibt überhaupt keinen Spielleiter und die Gruppe möchte trotzdem spielen

Auch das soll es geben. Eine Gruppe ohne festen Spielleiter und auch das abwechselnde Spielleiten möchte partout nicht ausprobiert werden.

Solltest du absolut keine Rollenspiel Erfahrung haben, kann diese Art des Spielens eine etwas größere Herausforderung werden.

Immerhin weißt du nicht wie es “richtig” geht. Ich empfehle trotzdem vorher ein wenig in meinem Blog zu schnuppern und die simplen Basics zu verinnerlichen.

Ein guter Start für dich ist ohne Frage die grundlegende Rollenspieltheorie.

Grund 4: Du hast nicht viel Zeit und willst alleine dennoch spielen

Auch das geht sehr gut und nennt sich im englischen solitary role playing. Dabei spielst du tatsächlich gänzlich alleine. Das hat den Vorteil, dass du sehr flexibel bist und zeitlich unbeschränkt.

Nach der Arbeit abends für ein Stündchen spielen? Gar kein Problem! Oder statt komplett alleine, doch lieber mit dem Partner bei Wein ein kleines Duo- Abenteuer bestreiten? Ja bitte!

Die 3 Arten des spielleiterlosen Pen and Papers

Aus den 4 Gründen heraus kannst du dir sicher schon ableiten, in welcher Konstellation ein Pen and Paper ohne Spielleiter gespielt werden kann.

1. Kein Spielleiter – Mehrere Spieler

2. Kein Spielleiter – Ein Spieler

3. Ein Spielleiter – Mehrere Spieler ….. eh was?

Ja du hast richtig gelesen. Mit den Werkzeugen für ein Spielen ohne Spielleiter kann auch die klassische Gruppenkonstellation profitieren. Gerade dem Spielleiter wird viel Arbeit abgenommen und er kann eine Spielrunde der etwas anderen Art leiten.

Was macht ein Spielleiter eigentlich wirklich?

Bisher habe ich viel behauptet und noch keine Erklärung abgegeben. Daher möchte ich dir vorstellen, wie es überhaupt möglich ist, ohne Spielleiter zu spielen.

Es fing alles mit der Frage an, die sich eine unbekannte Person vor einer unbekannten Zeit gestellt hat:

Was macht ein Game Master überhaupt?

Die Antwort darauf war sicher nicht leicht. Es war eine Quest nach der Suche um die Essenz des Spielleiters. Viele Tassen Kaffe und zahlreiche zerknüllte Papierbälle später kam diese Person sicher auf dieselbe Antwort wie ich.

Der Spielleiter macht folgendes:

  • Er trifft Entscheidungen
  • Er erstellt und betreut die Handlung / den Plot in der Spielwelt

Nicht falsch verstehen. Ein Spielleiter macht wirklich viel und hat viele Aufgaben. Nicht umsonst gibt es ganze Artikelreihen auf diesem Blog.

Und wie du später noch sehen wirst, werden viele davon auch beim Pen and Paper ohne Spielleiter auf dich als Spieler über gehen. Aber mit den nötigen Werkzeugen wird dein Aufwand und die Verantwortung stark reduziert.

Er trifft Entscheidungen

Als Spielleiter versorgst du die Spieler mit Informationen und als Spieler stellst du dem Spielleiter Fragen.

Wie sieht etwas aus? Kann ich etwas hören? Wie reagiert der NPC, wenn ich ihm Goldmünzen unter die Nase halte? Gibt es einen geheimen Eingang in die Festung des Bösewichtes? Was sind die Konsequenzen auf die Handlungen der Charaktere?

Auf all diese Fragen wird geantwortet. Um zu Antworten, muss vorher eine Entscheidung gefällt werden. Erst dann wird es in unserem fiktiven Abenteuer real. Erst dann kann der Spielercharakter damit interagieren.

Und noch eins, schau dir die Fragen genau an. Du erkennst zwei Arten wie die Fragen gestellt werden. Auf zwei dieser Fragen kann mit einem JA oder einem NEIN geantwortet werden. Bei den verbliebenen Fragen muss eine Beschreibung als Antwort kommen.

Die JA-NEIN Fragen sind sehr wichtig für unser Vorhaben. Behalte das im Hinterkopf. Ich komme später darauf zurück.

Er erstellt und betreut die Handlung / den Plot in der Spielwelt

In der Spielwelt muss sich was abspielen. Personen, Dinge und Entwicklungen müssen mit den Charakteren irgendwie in Zusammenhang gebracht werden.

Die Charaktere brauchen Kontrahenten, sie brauchen Konflikte und sie brauchen Herausforderungen. Der Job des Spielleiters ist es genau diese Dinge zu erfinden. Wenn du herausfinden willst wie du eigene Abenteuer schreibst, schnupper hier vorbei.

Und genau diese zwei Aufgaben, Entscheidungen treffen und eine Handlung jonglieren, müssen irgendwie ausgelagert werden.

Was du brauchst: Einen Game Master Emulator

Ein Emulator ist ein Werkzeug (Programm, Software, Hardware etc.), welches ein anderes System nachbildet und die Funktionen nachahmt.

Ein Game Master Emulator muss also die zwei essenziellen Aufgaben eines Spielleiters simulieren. Entscheidungen treffen und eine Handlung betreuen.

Disclaimer! – Was du erwarten kannst und was nicht

Ich stelle dir gleich das mächtige Werkzeug vor, wie du einen Spielleiter ersetzen kannst. Doch vorher möchte ich deine Erwartungen anpassen.

Du kannst leider nicht erwarten, dass du dein bisheriges Rollenspiel als Spieler genauso weiterführen wirst und der Emulator 1 zu 1 wie ein Spielleiter ist.

Das Werkzeug kann nicht schauspielern. Er kann keine NPCs verkörpern und Dialoge führen. Er kann nicht für die Gegner Angriffe würfeln oder dir sagen wie etwas aussieht. Er kann sich auch nicht ein detailliertes Abenteuer ausdenken und es subtil lenken.

Das alles musst du bzw. du gemeinsam mit den anderen Spielern machen.

Du kannst aber erwarten, dass du nicht komplett zu einem Spielleiter werden musst. Das Werkzeug wird dir helfen schnell Entscheidungen zu treffen. Es wird dir helfen unerwartete Elemente in ein Abenteuer einzubauen.

Es wird dir helfen eine ganz neue kreative Seite an dir zu entdecken. Und er wird dir helfen ganz ohne Stress und viel Vorbereitung aufregende Abenteuer ganz ohne richtigen Spielleiter zu erleben.

Das perfekte Einstiegstool: Der Mythic Game Master Emulator

Der Mythic Game Master Emulator ist ein Produkt aus dem Hause Word Mill Publishing und ein sehr häufig empfohlener Einstieg in die Welt des Pen and Paper ohne Spielleiter.

Es gibt noch viele weitere Folgeprodukte die darauf abzielen deine Erfahrung noch besser zu gestalten. Aber fange klein an und probiere dich zuerst am Mythic Game Master Emulator.

Der Emulator ist nur das Werkzeug und bietet selbst kein Pen and Paper Regelwerk. Aus dem Hause Word Mill gibt es noch das Regelwerk namens Mythic, welches ebenso den Emulator beinhaltet. Es ist aber nicht annähernd so beliebt wie der systemneutrale Emulator.

Das bedeutet, du kannst deine Spielrunden mit dem Regelwerk deiner Wahl spielen und bist komplett ungebunden. Einfach wunderbar!

Es gibt ein kleines Manko. Den Emulator gibt es nur auf Englisch. Daher möchte ich dir hier die wichtigsten Funktionen vorstellen.

Ich empfehle dir wärmstens dir das günstige Buch oder die PDF zuzulegen, aber lies zuerst meine Anleitung und bilde dir eine eigene Meinung.

Was du für den Mythic GM Emulator brauchst

  • Eine Kopie des Buches, egal ob gedruckt oder als PDF: Findest du günstig hier.
  • Einen W100 Würfel. Das sind zwei 10 Seitige Würfel, einer zeigt Zehnerstellen an (10, 20, 30 etc.) und der andere Einerstellen (0-9).
  • Stift und Papier um Szenen, NPCs und Quests aufzuschreiben.
  • Falls du nicht so viel auf Tabellen würfeln möchtest, gibt es für dein Handy auch eine kostenlose Mythic Emulator App. Achtung, du brauchst trotzdem das Wissen aus dem Buch, um diese richtig bedienen zu können.

Wie der Mythic Game Master Emulator funktioniert

Der Emulator hat einige Grundpfeiler auf denen alles aufbaut und miteinander verwoben ist. Ich werde dir nun jedes einzelne einmal genauer vorstellen.

Die Mechaniken des Emulators
  1. Fragen stellen
  2. Fate Chart
  3. Logik und Interpretation
  4. Chaos Faktor
  5. Das Setup: Szenen, NPC Liste und Thread Liste
  6. Zufälligkeit: Random Events und Modifizierte Szenen

1. Fragen stellen

Statt den Spielleiter mit Fragen zu löchern, richtest du diese nun an den Emulator. Der Emulator kann dir aber nur wie ein Orakel mit einem Ja oder Nein antworten.

Daher musst du dich zügeln und auf “Wie Fragen” verzichten. Doch die meisten Fragen können in eine Ja-Nein Frage umgewandelt werden. Du fragst nicht “Wie sieht die Decke der Höhle aus?”, sondern musst selber etwas erfinderisch sein.

Entweder du fragst nach einem konkreten Merkmal, passend zur Umgebung “tropft schwarzer Glibber von der Decke?”, oder du fragst erst einmal ob die Höhle so aussieht wie du es standardmäßig erwartest.

Damit die Antworten nicht eine simple 50%-50% Wahrscheinlichkeit darstellen, gibt es das Fate Chart.

2. Fate Chart

Die Wahrscheinlichkeiten ob der Emulator mit JA oder NEIN antwortet, werden von zwei Faktoren beeinflusst. Einmal entscheidest du selber wie die Chancen für ein JA stehen. Das ist die linke Spalte und du hast die Wahl zwischen folgenden Kategorien in aufsteigender Wahrscheinlichkeit:

Unmöglich, Auf keinen Fall, sehr unwahrscheinlich, unwahrscheinlich, 50/50, etwas wahrscheinlich, wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich, fast sichere Sache, sichere Sache, muss sein.

Auf dem Fate Chart würfelst du mit einem W100. Also zwei 10 seitige Würfel, wobei einer Zehnerstellen anzeigt (10, 20, 30 etc.) und der andere Einerstellen (0-9).

Der zweite Faktor ist der Chaos Rank. Der Chaos Rank verändert sich im Laufe des Spiels, mal nach oben mal nach unten und je nachdem wie “unter Kontrolle” man die Situationen als Charakter hatte.

Je höher der Chaos Rank, desto wahrscheinlicher wird der Emulator ein JA ausspucken und desto actionreicher wird das Abenteuer.

3. Logik und Interpretation

Gut du weißt nun, dass du JA-NEIN Fragen stellen und selber die Chancen ermitteln musst. Aber woher weißt du was für Fragen du genau stellen musst? Und was hält dich davon ab an jeder Ecke zu fragen ob dort ein Topf voll Gold steht?

Logik und Interpretation heißt die Antwort.

Logik

Als Spieler musst du überlegen was sich für dich logisch anfühlt. Da du häufig in abgefahrenen fiktiven Welten spielst, ist vieles möglich. Was für den einen logisch erscheint, kann für wen anders komplett unrealistisch sein.

Und doch musst du deine eigene Logik als Grundlinie nutzen. Deine Erwartungen an Situationen anpassen.

As Spieler nutzt du auch diese Logik, um herauszufinden was im Abenteuer und Spiel als nächstes passiert, auch anhand dessen was bereits geschehen ist.

Mit logischen Schlussfolgerungen verhinderst du auch, dass du andauernd dem Emulator Fragen stellst. Die Richtlinie ist, dass du pro Situation maximal 3 Fragen stellen solltest, je weniger desto besser.

Kurzes Beispiel was mit Logik und Erwartungen gemeint ist.

Die Szene beginnt, indem du mit deinem Charakter in ein Wirtshaus gehst. Dein Ziel: Den Wirt nach wichtigen Informationen zu einem seiner ehemaligen Gäste befragen.

Du stellst die Frage: Ist hier alles so wie ich es erwarte?

Du sagst die Chancen stehen 50/50 und würfelst auf dem Fate Chart. Das Ergebnis ist ein “NEIN”.

Jetzt musst du dein zweites Werkzeug rausholen.

Die Interpretation

Was könnte es bedeuten, wenn in diesem Wirtshaus irgendwie etwas anders ist als du es sonst erwartest? Du möchtest eigentlich den Wirt befragen. Du erwartest, dass er am Tresen steht und das Wirtshaus nur so von betrunkenen und heiteren Gästen wimmelt.

Du kannst das NEIN des Emulators nun selber interpretieren und neue Annahmen treffen. Du kannst aber auch noch ein bis zwei Verständnisfragen stellen und auch hier die Antworten interpretieren.

Du fragst z.B. ob das Haus seltsamerweise menschenleer ist, aber auf den Tischen überall Essen und Getränke liegen. Du würfelst und gibst der Chance eine etwas höhere Wertung. Der Emulator sagt JA.

Hm merkwürdig. Zeit für etwas Action und Nachforschung. Wenn du möchtest, kannst du an dieser Stelle aufhören Fragen zu stellen und mit deinem Charakter handeln.

Du nimmst dein Regelwerk zur Hand und würfelst mit den Fähigkeiten deines Charakters um Spuren zu finden.

Super! Der Wurf hat geklappt. Dein Charakter findet Fußspuren von einer großen Menschentraube. Wo führen sie hin? In den Keller? In den Wald nebenan? Entscheide selbst oder frage den Emulator.

Logische Fragen stellen, interpretieren, handeln und dann wieder von vorne. So spielst du ohne Spielleiter dein Pen and Paper.

4. Chaos Rank

Der Chaos Rank kann sich im Laufe des Spiels verändern. Er ist ein essenzieller Bestandteil des Fate Charts und beeinflusst die Wahrscheinlichkeiten ob ein JA vom Emulator ausgespuckt wird.

Der Chaos Rank verändert sich aufgrund der Situationen die dein Charakter im Abenteuer erlebt. Hattest du alles unter Kontrolle? Hat das Fate Chart häufig mit JA geantwortet und deine Fertigkeitswürfe aus deinem Regelwerk haben häufig geklappt?

Falls nein, dann wird der Chaos Faktor steigen und mehr Action in den Abenteuerverlauf bringen. Der Chaosfaktor wird aber auch verantwortlich sein für abgefahrene Wendungen und abgewandelte Szenen.

5. Das Setup: Szenen, NPC Liste und Thread Liste

Die Szene

Der Mythic GM Emulator sieht vor, dass du dein Abenteuer in Szenen spielst. Eine Szene kannst du dir vorstellen wie in einem Film. Sie findet in einer bestimmten Umgebung/ Raum statt, hat bestimmte Charaktere und umfasst bestimmte Handlungen.

Eine Szene hat auch ein Ende. Danach beginnt die nächste Szene. Der Emulator funktioniert genauso.

Eine Szene wird ausgedacht oder der Charakter kommt aus einer vorherigen Szene zur neuen. Der Charakter versucht den Konflikt in der Szene zu lösen und sein Ziel zu erreichen. Danach geht es weiter zur nächsten Szene.

Das Setup einer jeden Szene wird zusätzlich auf einer Liste festgehalten.

Die NPC Liste

So wie Szenen wird auch eine NPC Liste aufgeschrieben. NPC´s können aus deinem Charakterhintergrund kommen, aber auch einfach im Laufe der Entwicklung des Abenteuers auftauchen.

Nach jeder Szene werden neue aufgetauchte NPC´s auf die Liste gesetzt und verstorbene oder unwichtig gewordene NPC´s gestrichen. NPC´s müssen dabei nicht eigene Individuen sein, sondern können auch Gruppen, Organisationen, Fraktionen etc. darstellen.

Es ist wichtig so eine Liste zu führen, denn diese wird später noch bei Zufallsereignissen wichtig.

Die Thread Liste

Thread meint hierbei keinen simplen Faden sondern einen Questfaden. Ein Abenteuer beginnt häufig mit einem bestimmten Ziel. Den Schurken Mr. X aufhalten. Aus einem Gefängnis ausbrechen. Die Prinzessin aus den Fängen der Koboldkönigin befreien.

Das alles sind Threads und auch diese werden auf einer Liste festgehalten. Im Laufe des Abenteuers können ebenso neue hinzukommen.

6. Zufälligkeit: Random Events und Modifizierte Szenen

Deine Logik stößt bei einer Sache an seine Grenzen. Sie kann keine Überraschungen entwickeln.

Um diese Überraschungen trotzdem im Abenteuer zu erleben, gibt es die Random Events, also zufällige Ereignisse.

Radom Events tauchen beim Spielen an zwei Stellen auf.

  • Wenn eine neue Szene generiert wird
  • Wenn auf dem Fate Chart gewürfelt wird
Random Events bei einer neuen Szene

Das Setup einer Szene ist maßgeblich von deiner Erwartung geprägt. Nachdem du diese etabliert hast, musst du am Anfang einer jeden Szene einen W10 würfeln.

Ist das Ergebnis in Höhe deines aktuellen Chaos Faktors oder darunter, dann ist diese Szene modifiziert. Rollst du darüber, dann beginnt die Szene wie du erwartet hast.

Wenn die Szene modifiziert ist, schaust du ob der W10 eine ungerade oder gerade Zahl ist.

Ungerade = Altered Scene (abweichende Szene)

Gerade = Interrupt Scene (unterbrochene Szene)

Bei einer Altered Scene beginnt die Szene ein wenig abgewandelt, aber noch im selben Rahmen. Weiter oben habe ich das Beispiel mit dem Wirtshaus gebracht. Diese Entwicklung würde perfekt zu einer Altered Scene passen.

Eine Interrupted Scene ist etwas gänzlich anderes und ein richtiges Random Event. Es führt zu einer komplett anderen Anfangsszene.

Random Events im Fate Chart

Wann immer auf dem Fate Chart eine Frage beantwortet wird, kann zufällig ein Random Event ausgelöst werden. Das Event muss nichts mit der Frage zu tun haben.

Wenn der W100 eine Doppelzahl zeigt (z.B. 11, 44, 88 etc.) und die erste Zahl gleich oder niedriger als der Chaos Faktor ist, dann geschieht ein Random Event.

Ein kurzes Beispiel: Ich stelle dem Emulator eine Frage und rolle den W100. Mein Chaos Faktor ist noch moderat bei 5. Das Ergebnis ist 44. Laut Fate Chart ist das ein JA.

Aber halt: eine Doppelzahl wurde gewürfelt (44) und die erste Zahl 4 ist unter meinem Chaos Faktor. Neben der Abwicklung meiner Frage wird jetzt noch zusätzlich ein Random Event ausgelöst.

Das Random Event erklärt

Egal ob nun ausgelöst am Anfang einer Szene oder während dem Befragen des Fate Charts, ein Random Event besteht aus drei Komponenten.

Context, Focus und Meaning.

Event Context

Das Random Event muss irgendwie in den Kontext des Abenteuers passen. Auch hier nutzt du wieder deine Logik. Du schaust was bereits passiert ist und was du in diesem Abenteuer als Aufgabe hast.

Wenn du zum Beispiel aus einem Gefängnis ausbrechen willst und durch die Gänge schleichst, kann ein Random Event mit der Aussage “etwas negatives passiert dem Charakter” bedeuten, dass eine Wache dich entdeckt hat.

Event Focus

Jetzt musst du herausfinden auf was oder wen sich die Handlung des Events bezieht. Dafür würfelst du erneut einen W100 und checkst das Ergebnis auf der Event Focus Tabelle.

Es können 11 unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. PC Negative richtet sich zum Beispiel gegen einen Charakter und sagt aus, dass etwas schlechtes passiert. Introduce a new NPC fügt einen neuen Nicht- Spieler- Charakter in die Geschichte ein.

Die genauen Erklärungen für den jeweiligen Event Focus findest du im Handbuch des Mythic GM Emulator.

Event Meaning

Das Random Event soll also zur Szene und Abenteuer passen und du hast schon einmal den Focus etabliert. Event Meaning wird dir dabei helfen das Random Event zu interpretieren.

Dabei würfelst du erneut auf einer speziellen Tabelle und bekommst am Ende einen zwei Wörter Schnipsel.

Die Wörter versuchst du nun mit dem Event Focus in Einklang zu bringen. Manchmal macht das super Sinn, andermal musst du die Wörter sehr abstrakt sehen.

Ein Beispiel:
Ich schleiche mich mit einem Zellennachbarn (NPC) durch das Gefängnis, dann als ich das Fate Chart befrage, passiert ein Random Event.

Event Focus: Player negative
Event Meaning: Betray, Friendship

Ganz eindeutig wird mich mein Gefängniskumpane verraten und einen Deal mit den Wärtern gemacht haben.

Hier ein abstrakteres Beispiel mit demselben Szenario im Gefängnis:

Event Focus: remote event (etwas in der Ferne passiert und der Charakter bekommt das irgendwie mit)
Event Meaning: Oppress, Magic

Puh…also in meinem Setting existiert keine Magie. Aber vielleicht meint Magie ja sowas wie unglaublich oder etwas sehr unwahrscheinliches. Und opress heißt unterdrücken. Damit kann ein Wärter oder der Gefängnisdirektor gemeint sein. Ich nehme letzteres.

Ich belausche also zufällig zwei Wachen die sich darüber unterhalten, dass der Direktor heute ganz unverhofft im Lotto gewonnen hat, den Schein aber erst morgen einlösen kann und ihn solange in seinem Tresor im Büro versteckt.

Na wenn das nicht einen Abstecher auf dem Weg zur Freiheit wert ist dann weiß ich auch nicht. Ein neues Zwischenziel wird somit auf die Thread-Liste gesetzt. Das Abenteuer wird jetzt noch spannender!

Mit dem Emulator alleine und in der Gruppe spielen

Du wirst es schon gemerkt haben, der Emulator ist eine kreative Stütze, hilft dir dabei Entscheidungen zu treffen und eine ordentliche Prise Überraschung einzuwerfen.

Aber zurücklehnen und nur in deinem Charakter bleiben ist nicht. Es müssen Würfel auf Tabellen gerollt und interpretiert werden. Szenen, NPC´s und Questfäden müssen irgendwo niedergeschrieben werden.

Wenn du ganz alleine spielst sind alle Jobs an dich vergeben. Das Spielgefühl ist auf jeden Fall etwas langsamer. Trotzdem kann es super viel Spaß machen und deine Kreativität so richtig zum glühen bringen.

Wenn du in der Gruppe spielst ist es einfacher, kann aber chaotischer werden. Einigt euch am besten darauf, wie ihr die Jobs verteilt und wie ihr beim Fragen stellen, interpretieren, Szenen erfinden und ausspielen vorgehen wollt.

Wenn du in der Gruppe spielst, muss auch das Rollenspiel gar nicht zu kurz kommen. Vielleicht übernimmt jeder von euch zwei NPC´s die er schauspielert.

Abwechselnd ist jeder einmal für eine Szene verantwortlich und ist ein Mini-GM. Bedeutet du bist für eine Szene verantwortlich die Fate Chart Antworten zu interpretieren und die Action zu beschreiben. Auch Kämpfe können abwechselnd übernommen werden.

Und wenn es einmal für einen Mini-GM schwer ist eine Fate Chart Antwort oder ein Random Event zu interpretieren, dann steht es den anderen immer offen, Ideen in den Raum zu werden.

In dieser Form kommt kein Vergnügen zu kurz und ganz ohne Spielleiter hast du eine wundervolle Pen and Paper Erfahrung.

Fazit 

Pen and Paper ohne Spielleiter zu spielen ist möglich. Es ist nur ein wenig anders als du es dir auf den ersten Blick vorstellst.

Ich habe dir gezeigt, dass es viele Gründe geben kann, auf ein spielleiterloses Pen and Paper auszuweichen.

  1. Spielen ist in den meisten fällen besser als nicht spielen.
  2. Der Spielleiter ist ausgebrannt, braucht eine Pause aber niemand möchte an seiner Stelle leiten.
  3. Eine Gruppe hat überhaupt keinen Spielleiter, keinen Freiwilligen und möchte trotzdem spielen.
  4. Du hast sehr wenig Zeit und würdest lieber ganz alleine spielen oder nur spontan mit Leuten aus deinem Haushalt.

Pen and Paper ohne Spielleiter spielen kann folglich in der Gruppe ohne Spielleiter, komplett alleine oder in der klassischen Gruppenkonstellation gespielt werden. Im letzteren Fall nutzt der Spielleiter die Werkzeuge, um seine Aufgaben zu erleichtern.

Du hast gelernt, dass eine der essenziellsten Aufgaben des Spielleiters das Fällen von Entscheidungen ist und eine Handlung zu betreuen.

Diese zwei Aufgaben können mithilfe eines Game Master Emulators ausgelagert und simuliert werden.

Du musst jedoch deine Erwartungen anpassen. Das Spielen mit einem Emulator ist etwas anders. Er kann nicht schauspielern, NPC´s verkörpern, für Gegner würfeln und sie steuern.

Er kann dir aber helfen schnelle Entscheidungen zu treffen, Überraschungen in das Abenteuer einzubauen.

Das beste Einstiegstool ist der Mythic Game Master Emulator. Es ist ein Orakel, dass dir mit Ja oder Nein antwortet. Dafür nutzt du eine Tabelle namens Fate Chart, die nicht nur eine simple 50% / 50% Wahrscheinlichkeit abdeckt.

Du nutzt deine Logik und interpretierst die Antworten des Fate Charts. Durch den Chaos Faktor können die Abenteuerszenen richtig abgefahren werden und Random Events auslösen.

Du hältst Informationen auf Papier fest, damit der Emulator alte Charaktere in das Abenteuer einbauen kann, Quests einen Abschluss finden oder ganz neue entstehen.

Wenn du alleine spielst, dann übernimmst du alle Aufgaben, spielst du in einer Gruppe könnt ihr euch alles aufteilen. So können auch richtige Rollenspielmomente stattfinden. Mit Dialogen, Beschreibungen und vielem mehr.

Ich wünsche dir ganz viel Spaß bei deinen ersten Versuchen. Und wenn du es ausprobiert hast, schreib es in die Kommentare und erzähl mir von deiner Erfahrung.

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