Pen and Paper Spieler: Mehr als nur sein Charakter

Du willst Pen and Paper spielen, hast einen Charakter erstellt, setzt dich an den Tisch mit deinen Freunden und kannst es gar nicht erwarten mit deinem Charakter die Welt zu erkunden. Fantastische Abenteuer zu bestehen.

Ist das die richtige Vorgehensweise? Ja und Nein! Um ein harmonisches Gruppenspiel zu ermöglichen, unvergessliche Momente zu erleben und möglichst viel Spaß für alle Beteiligten zu garantieren, musst du mehr sein als nur dein Charakter. Du musst als Spieler aktiv an diesem Spiel beteiligt sein.

In diesem Blogartikel wirst du lernen, was du als Spieler beachten kannst, um ein wertvolles Gruppenspiel zu ermöglichen.

Ich zeige dir zuerst was die Theorie hinter dem Pen and paper Rollenspiel ist. Darauf aufbauend erfährst du das richtige Mindset eines Pen and Paper Spielers. Danach welche konkreten Aufgaben du hast und zum Schluss welche Fähigkeiten du trainieren kannst, um ein noch besserer Spieler zu werden. 


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Verstehe die Theorie hinter dem Pen and Paper

Du freust dich schon riesig darauf in deinen selbst erstellten Charakter mental einzutauchen und zusammen mit deinen Freunden spannende Abenteuer zu erleben. Das ist super und ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei.

Ich möchte dir aber ein Geheimnis verraten. Beim Pen and Paper Spielen bist du nicht nur dein Charakter, du bist nicht nur eine Art Schauspieler. Du bist noch so viel mehr!

Sowohl Spielleiter als auch Spieler tun gut daran, die Theorie hinter einem Pen and Paper zu verstehen. Denn damit die Spielrunde so richtig gut funktioniert und Spaß macht, muss sich nicht nur der Spielleiter viele Gedanken rund um die Geschichte machen.

Heruntergebrochen auf den wichtigsten Aspekt des Pen and Paper Rollenspiels findest du folgendes: Dynamisches Geschichtenerzählen. Das heißt nicht nur der Spielleiter ist daran beteiligt euch eine tolle Geschichte zu erzählen, du als Spieler bist ebenso verantwortlich dafür!

Wenn Geschichten erzählt werden, gibt es drei Rollen die vergeben werden. Die Rolle des Autors, Darstellers und der Audienz/ Zuschauers.

Während in Filmen, Büchern und Videospielen diese Rollen unterschiedlich verteilt sind, haben bei einem Pen and Paper alle Beteiligten alle drei Rollen gleichzeitig inne.

Das ist wahnsinnig spannend. Denn das bedeutet, dass die Geschichte nie von vorne herein feststeht. Niemand, auch nicht der Spielleiter, weiß wohin die Reise letztendlich führt und wie sie endet.  

Sehe dich also nicht nur als dein Charakter, der in der Spielwelt von dem Spielleiter Hindernisse vor die Füße geworfen bekommt. Sehe dich nicht als einen Spielball in einer starren Welt.

Den tiefen Einblick in die wichtige Theorie des Pen and Paper Rollenspiels findest du hier: Mit der Pen and Paper Theorie zum maximalen Spielspaß.

Das richtige Mindset als Spieler

Nach dem Verständnis für die Theorie kommt das richtige Mindset. Wenn du als Spieler das richtige Mindset zusammen mit deinem Spielleiter und den anderen Spielern annimmst, werden eure Spielerfahrungen noch schöner. 

Vertraue deinem Spielleiter! Spielt gemeinsam und nicht gegeneinander.

Eine super wichtige Grundhaltung. Der Ideale Spielleiter ist dein größter Fan. Er fiebert mit dir und deinem Charakter. Wenn du Erfolg bei einer wahnwitzigen Aktion hast, dann feiert er das mindestens genauso wie du. 

Vertraue darauf, dass dein Spielleiter dir Freiheiten gibt. Dass er deinen Charakter nicht hinterhältig sterben lassen wird. Dass er nicht darauf aus ist, dich und die anderen Spieler “zu besiegen”. 

Der Spielleiter vertraut aber auch darauf, dass du die Freiheit die du hast nicht missbrauchst. Auch wenn dein Handlungsrahmen sehr frei ist, hat sich der Spielleiter für das Abenteuer oder die Kampagne etwas gedacht. Etwas vorbereitet.

Sabotiere nicht mit Absicht die Vorbereitung des Spielleiters. Ein kleines Beispielszenario: Ihr einigt euch als Gruppe darauf, dass ihr in der nächsten Kampagne Polizisten spielt, die im Kampf gegen die Drogen eine entscheidende Rolle spielen sollen.

Eure erste Spielrunde beginnt damit, dass ihr von einem Drogenboss gefangen wurdet. Jetzt heißt es erfolgreich fliehen und Verstärkung holen oder sogar direkt beim Ausbruch den Drogenboss stellen und verhaften.

Du würdest deine Freiheit missbrauchen, wenn du plötzlich entscheidest, dass dein Charakter Bock hat selber ein Drogenboss zu sein oder sich dem Drogenboss anschließen will. 

Prinzipiell hast du die Freiheit sowas zu machen. Aber der Spielleiter ist nicht darauf vorbereitet, plötzlich eine ganz andere Kampagne zu spielen. 

Du bist auch Autor

Als Spieler lenkst du nicht nur deinen Charakter. Zwar erarbeitet der Spielleiter häufig das große Konzept einer Spielwelt oder einer Handlung, doch ist der Input von Spielern ein wichtiger Bestandteil. Es ist nicht nur die Welt des Spielleiters, es ist eure gemeinsam erschaffene Welt.

Du kannst ganz einfach daran teilhaben, wenn du eine interessante Hintergrundgeschichte für deinen Charakter kreierst. Wenn du einer speziellen Gruppierung oder Fraktion angehören willst, die es noch gar nicht gibt, dann hast du sie hiermit gerade erfunden und in die Spielwelt gebettet. Natürlich alles mit Absprache des Spielleiters.

Aber auch beim Spielen selbst hast du kreative Autorenrechte. Wie groß diese ausfallen ist am besten mit der gesamten Gruppe und Spielleiter zu besprechen. Aber nahezu immer kannst du im kleinen Rahmen als Autor mitwirken. 

Hier ein Beispiel. Du befindest dich in einer Fantasy Mittelalter Taverne und klassischerweise bricht eine chaotische Massenschlägerei aus. Der Spielleiter hat vorher die Taverne und Personen beschrieben. 

Der Spielleiter kann aber nicht ewig jede Kleinigkeit des Gebäudes detailliert beschreiben. Er hat zum Beispiel nichts von dem staubigen Wandteppich erzählt, den du von der Wand reißt und großflächig auf zwei Schläger wirfst. 

Wo kommt dieser Wandteppich nun her? Na du hast ihn soeben ganz klar selber erschaffen! Ihr könnt euch als Gruppe darauf einigen, dass ihr einfach wild drauf los improvisiert und kreiert. Sobald etwas sehr unrealistisches oder nicht passendes in den Raum geworfen wird, kann der Spielleiter immer noch unterbrechen. 

Oder aber du fragst vorher direkt kurz nach ehe du deine Handlung verkündest: 

Spieler – “Sehe ich an der Wand einen Wandteppich?” 

Spielleiter – “Ja klar zu deiner rechten, gar nicht allzuweit von dir siehst du einen Wandteppich (es folgt eine kurze Beschreibung des Teppichs)  

Spieler- “Okay super dann greife ich ruckartig danach und schmeiße ihn geöffnet auf die zwei Schläger vor mir, um ihre Sicht zu behindern.”

Als Spielerautor kannst du auch auf eine Situation als großes Ganzes blicken und dir vorstellen es wäre wie in einem Film oder Roman.

Frage dich: Was würde die Situation jetzt richtig spannend und cool machen? Wenn mein Charakter dies oder jenes tut? Ist das im Einklang mit der Persönlichkeit und Hintergrundgeschichte? 

Frage dich beim Überwinden von Herausforderungen nicht primär wie sie optimal zu lösen sind. Wie du den Spielleiter möglichst gut austricksen kannst. Frage dich eher wie du eine spannende und coole Geschichte mit den Mitspielern erzählen kannst.   

Du bist auch Audienz

Das führt mich zur nächsten Grundhaltung. Du bist nicht nur Darsteller sondern auch selbst die Audienz. Aufgrund der Persönlichkeit deines Charakters versuchst du möglichst in dieser Rolle zu handeln und zu entscheiden. 

Aber vergiss nicht, dass das gemeinsame Hauptziel des Pen and Paper nicht eine möglichst authentische Charakter- Simulation ist.

Sondern gemeinsames Geschichten erzählen. Das heißt, dass du manchmal aus der Vogelperspektive oder aus deiner Spielerperspektive auf eine Situation schauen solltest.

Manchmal gibt es Situationen in denen das Ausspielen des Charakters und die daraus resultierenden Konsequenzen eigentlich für dich selbst, deine Mitspieler und den Spielleiter den Spielspaß mindert. Vielleicht auch das Scheitern der Situation nach sich ziehen würde oder andere unangenehme und unnötige Konflikte auslöst.

An solchen stellen versetzt du dich besser in die Audienzrolle und fragst dich, was du in einem Film lieber sehen oder in einem Buch lesen würdest.

Das heißt nicht, dass du mit deinem Charakter Konflikte meiden sollst. Konflikte sind spannend. Konflikte führen zu super Geschichten und sind essenzieller Bestandteil eurer Abenteuer.

Ein weiterer Aspekt der Audienzrolle als Spieler sind die anderen Mitspieler und ihre Charaktere. Interessiere dich nicht nur für deinen Charakter. Diese Geschichte hat nicht nur einen Protagonisten sondern mehrere. 

Schaue dir als Audienz die anderen Charaktere an. Was macht sie richtig cool? Wie könntest du dazu beitragen, dass sie noch cooler werden? Binde sie mit deinem Charakter in Konversationen ein. Unterstütze sie und versuche Situationen zu schaffen in denen sie glänzen können.

Wenn ihr Spieler euch alle darum bemüht die anderen Charaktere ebenso zu unterstützen wie euren eigenen, dann wird der Spielspaß am Tisch in ungeahnte Höhen explodieren.  

Deine Aufgaben als Spieler

Als Spieler hast du ebenso wie der Spielleiter gewisse Aufgaben damit eine Spielrunde gut funktioniert. 

Kenne die nötigen Regeln

Als Spieler solltest du mit der Zeit die Grundregeln des Regelwerkes kennen. Ganz besonders die Regeln rund um deinen Charakter. Es hemmt das Spiel wenn du immer wieder herausfinden musst oder vergisst, was dein Charakter gut kann und was nicht und wie du das mit dem Regelwerk und den Würfeln auszudrücken hast.

Einen passenden Charakter erstellen

Ein Charakter sollte nicht nur deine Ideen und Wünsche beinhalten. Ein Charakter sollte auch zur Kampagne, Spielwelt und der Heldengruppe passen. Um diesen Kriterien gerecht zu werden, empfehle ich Charaktere gemeinsam vorab mit den Mitspielern und Spielleiter zu erstellen. 

Wie du als Spieler einen richtig guten Charakter erstellst, den nicht nur du liebst sondern auch deine Mitspieler feiern und was du zu beachten hast zeige ich dir hier: Maximaler Spielspaß mit dem perfekten Pen and Paper Charakter (Systemneutral!)

An der Spielwelt Interesse zeigen

Wenn du an der Spielwelt und Abenteuer Kampagne kein Interesse hast, dann wird über kurz oder lang dein Spielspaß darunter leiden und auch der deiner Mitspieler. Wenn du die Spielwelt nicht sonderlich spannend findest, dann frage dich was dir konkret dort fehlt. Was du gerne implementieren würdest. 

Am besten einigt ihr euch vorab gemeinsam auf ein Setting. Wenn der Spielleiter sein eigenes erstellt, dann wird er euch in die Welterschaffung mit einbeziehen. 

Am Spieltisch aufmerksam sein

Sei Aufmerksam auch wenn du mit deinem Charakter gerade nicht an der Reihe bist. Es gibt wenig schlimmeres als einen am Spieltisch geistig abwesenden Spieler. Konzentriere dich nicht nur auf deinen Charakter, sondern auch auf die anderen. 

Wenn du trotzdem das Gefühl hast dich immer zu langweilen, wenn du nicht an der Reihe bist, rate ich dir herauszufinden woran das liegt. Was kannst du oder können die anderen tun, damit die Spiele nicht langweilig sind?

Mache dir Notizen und lese sie vor jeder Spielrunde

Diese Aufgabe geht mit der vorherigen einher. Sei aufmerksam und notiere dir wichtige Ereignisse, Personen und eigene Gedanken. Vertrau mir: Du wirst vieles vergessen, wenn du es nicht aufschreibst. 

Möglicherweise habt ihr jemanden in der Spielrunde, der sich als Chronist bereit erklärt und neben den Spielrunden die Geschichte eurer Helden festhält. Ob deine eigenen Notizen oder die des Chronisten, lese dir vor jeder neuen Spielrunde durch was letztes mal passiert ist.

Andere Spieler und Charaktere beachten

Wie im Mindset Kapitel beschrieben, kannst du als Audienz die anderen Charaktere betrachten. Versuche mit Hilfe deines Charakters andere Charaktere anzuspielen und ihnen eine Bühne geben. 

Nutze auch dein Wissen als Spieler, um den Charakteren ein Ausspielen ihres Charakters zu ermöglichen. Vielleicht hat ein Spielercharakter eine tiefe Spinnen Phobie, da eine riesige Monsterspinne seine Eltern verspeist hatte. Diesen Umstand würde der Charakter möglicherweise nie ansprechen.

Aber du als Spieler weißt das und kannst das nutzen, um dem Spieler eine Bühne zu schaffen. Hier ein Beispiel:

Ihr seid in einer Bar und du erzählst:

“Während wir einen Humpen leeren seilt sich eine kleine dicke Spinne von der Decke auf meine Handfläche ab. Mit der anderen klatsche ich laut drauf, mache ein angewidertes Gesicht und sage:

Diese Mistviecher hab ich schon immer gehasst. Eklige kleine behaarte Beine und diese Facettenaugen. Einfach widerlich” 

Der andere Charakter mit seiner Spinnenphobie hat nun selber die Möglichkeit entweder zu schweigen oder die Chance zu ergreifen und darauf mit seiner Geschichte zu reagieren. So nutzt du dein Spielerwissen, um den anderen Charakteren eine Bühne zu schaffen.    

Nützliche Fähigkeiten

Als Spieler kannst du einige Fähigkeiten trainieren und damit den Spielspaß erhöhen. Im Rollenspiel schlüpfst du in eine Rolle. Je mehr du sie mit schauspielerischen Qualitäten besetzen kannst, desto besser.

Es gibt viele Möglichkeiten einen Charakter richtig lebendig werden zu lassen. Eine andere aber passende Stimme nutzen, dir Floskeln und wiederkehrende Redewendungen aneignen, Körpersprache und allgemeinen Sprachgebrauch verändern sind gute Ansatzpunkte. 

Eine weitere geschätzte Fähigkeit ist das Improvisieren. Insbesondere auf die Ideen der anderen Mitspieler. Versuche die Gedankenstütze Ja! Und… zu verinnerlichen. Sage zu den Ideen und Handlungen deiner Mitspieler laut oder geistig “JA! UND dann mache ich jenes” oder “JA! UND dann passiert noch folgendes”.

Der Spielleiter nutzt die JA! UND Technik ebenso, es spricht aber nichts dagegen, dass du als Spieler auch diese Improvisationstechnik nutzt. 

Fazit 

In diesem Blogartikel hast du gelernt, dass du in einem Pen and Paper Rollenspiel als Spieler mehr bist als nur dein Charakter. Du hast erfahren, dass laut der Rollenspieltheorie das dynamische Geschichtenerzählen die Essenz darstellt.

Daraus resultieren mehrere Rollen, die du als Spieler einnimmst. Nicht nur als Darsteller mit deinem Charakter, sonder auch als Autor und als Audienz. Mit diesem Wissen kannst du das richtige Mindset aufbauen. 

Dem Spielleiter vertrauen und mit ihm statt gegen ihn zu spielen, dich ebenso als Autor der Geschichte sehen und gleichzeitig als Zuschauer von Außen die Situationen beobachten.

Du weißt, dass du als Spieler einige Aufgaben hast, damit das Spiel gut funktioniert und Spaß macht. Du kennst die wichtigsten Regeln des Regelwerkes, hast einen gut funktionierenden und passenden Charakter erstellt, zeigst an der Spielwelt interesse und bist am Spieltisch aufmerksam. 

Du machst dir Notizen und beschäftigst dich mit ihnen vor jeder neuen Spielrunde. Und wenn du spielst, versuchst du auch die anderen Mitspieler zu beachten, um ihren Charakteren eine tolle Bühne vorzubereiten. 

Wenn du deine Fähigkeiten als Rollenspieler verbessern willst, konzentrierst du dich auf deine Schauspielerischen Fähigkeiten und übst das Improvisieren. Dafür nutzt du die simple Ja! Und… Technik und versuchst auf den Ideen und Handlungen der anderen Charaktere aufzubauen.      

3 Antworten auf „Pen and Paper Spieler: Mehr als nur sein Charakter“

Sehr spannender Artikel. Die „Ja! Und …“-Technik ist sehr interessant. Ich nutze sie schon seit vielen Jahren als Spielleiter.
Klasse finde ich im Artikel, dass der Spieler mal aus einer anderen Perspektive beleuchtet wird – nämlich dass er auch ein gewisses Aufgabenspektrum hat und natürlich ein wichtiger Anteil einer gute funktionierenden Rollenspielgruppe ist.
Schöner Beitrag.

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